Prüfungsbericht

Gesundheits- und Krankenpflegeschulen in Vorarlberg

Schulen leisten wichtigen Beitrag für qualitativ hochwertige Ausbildung

Im Zeitraum von 2009 bis 2012 bildeten die drei Gesundheits- und Krankenpflegeschulen insgesamt 365 Personen zum gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege aus. Davon schlossen 46 Prozent die Ausbildung in Feldkirch, 34 in Bregenz und 20 in Rankweil ab. Die Qualifikation der Absolventen wird von der Praxis als einheitlich hoch anerkannt. Feldkirch bietet regelmäßig noch weitere Bildungsangebote an. Darunter fallen auch Pflegehilfelehrgänge. Die Ausbildungen sind anspruchsvoll und zeitintensiv. In einzelnen Lehrgängen ergeben sich jedoch hohe Ausfallquoten. Vorkehrungen zu deren Reduzierung sind konsequent fortzusetzen.

Bestehende Synergien in der Ausbildung sind bisher wenig genutzt

Die Wettbewerbssituation zwischen den Schulen in Bregenz und Feldkirch hat sich nicht immer förderlich auf die Zusammenarbeit ausgewirkt. Dabei bestehen zahlreiche Synergiepotenziale. Durch ein gemeinsames Aufnahmeverfahren könnte der Zeit- und Verwaltungsaufwand reduziert sowie das Prozedere für die zahlreichen Mehrfachbewerber vereinfacht werden. Weitere Vorteile würden sich durch eine schulübergreifende Öffentlichkeitsarbeit, einen institutionalisierten Wissensaustausch und eine abgestimmte Vergabe von Praktikumsplätzen ergeben. Das Land erwog im Jahr 2011 ein Optimierungsprojekt. Auch die Schule in Bregenz setzt erneut Impulse für eine Verbesserung der Kooperation. Trotzdem findet in diesen Bereichen zu wenig Zusammenarbeit statt.

Herausforderung liegt im steigenden Pflegebedarf und in der Ausbildungsreform

Die demografische Entwicklung und die anstehenden Pensionierungswellen lassen auf mögliche Bedarfsengpässe in der Pflege schließen. Forderungen nach mehr Ausbildungsplätzen stehen im Raum. Bestimmte Vorkehrungen zur Erhöhung der Kapazität wurden bereits getroffen. Die Bewerberzahlen waren allerdings tendenziell rückläufig und die Praktikumsplätze sind beschränkt. Zudem diskutieren Experten bereits seit Längerem eine umfassende Reform des Ausbildungssystems. Der Trend geht in Richtung Akademisierung. Um die Konkurrenzfähigkeit der Ausbildung zu sichern und den künftigen Pflegebedarf zu decken, hat das Land als Hauptfinancier ein klares Strategiekonzept mit Maßnahmenpaketen zu entwickeln.

Organisationsstruktur prägt Gebarung der einzelnen Schulen

Die Ausbildung wurde im Prüfungszeitraum mit rund € 20 Mio. aus öffentlichen Mitteln finanziert. Davon trugen das Land 65 und die Gemeinden 35 Prozent. In Feldkirch lagen die jährlichen Kosten je Diplomschüler im Vergleich zu Bregenz um sieben Prozent und zu Rankweil um fünf Prozent niedriger. Die Kostenstruktur der Bregenzer Schule ist durch höhere Personalaufwendungen, jene der Schule in Rankweil durch vermehrten Einsatz von Referenten geprägt. Aus der Verrechnung von Praktikumseinsätzen werden vor allem in Bregenz und Feldkirch laufende Erträge generiert. Diese lagen aufgrund einer bisher anderen Einteilungsmethode in Bregenz pro Diplomschüler deutlich höher als in Feldkirch. Die Schulen sind in unterschiedlichem Maße gefordert ihre Liquidität zu sichern. Auch liegen verschiedene steuerrechtliche Nachteile vor. Die Systeme im Rechnungswesen sind teilweise verbesserungsfähig.

Nachteiliges Umlagesystem durch einfachere Finanzierung ablösen

Das Finanzierungssystem der Ausbildung basiert auf einem Regierungsbeschluss aus dem Jahr 2002. Er ist unschlüssig und wurde nie aktualisiert. Eine einheitliche Vorgehensweise bei seiner Umsetzung konnte nicht implementiert werden. Das Umlagesystem ist darüber hinaus für Absolventen mit Wettbewerbsnachteilen am Vorarlberger Arbeitsmarkt verbunden und bietet wenig Anreize zur wirtschaftlichen Führung der Schulen. In den zum Vergleich herangezogenen Bundesländern wird die Ausbildung aus dem Landesgesundheitsfonds – zum Teil mit bestimmten Leistungskomponenten – bezuschusst. Dies bietet Vorteile und sollte auch für die Vorarlberger Schulen in einer weitgehend finanzierungsneutralen Umsetzung angestrebt werden. Eine Eingliederung der Bregenzer Schule in eine Fondskrankenanstalt wäre dafür die Voraussetzung.

Organisatorische Weiterentwicklung der Schulen in Stufenmodell vorbereiten

Um das Finanzierungssystem deutlich zu verbessern, die bestehenden Synergien optimal zu nutzen und die künftigen Herausforderungen bestmöglich zu bewältigen, ist die Organisation der drei Schulen neu zu gestalten. In einem ersten Schritt sind das Aufnahmeverfahren und die Öffentlichkeitsarbeit gemeinsam durchzuführen. Innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren sollte auch die Managementverantwortung für alle Schulen bei der Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsgesellschaft mbH – unter Wahrung ihrer jeweiligen Innovationskraft –  zusammengeführt und eine Finanzierung aus dem Landesgesundheitsfonds möglich sein. Um die Interessen aller wesentlichen Systempartner,  insbesondere jene der Langzeitpflege, im neuen System ausreichend zu berücksichtigen, hat das Land die Einsetzung eines Beirats für die Ausbildung in Gesundheits- und Krankenpflegeberufen zu erwägen.