Prüfungsbericht

Nordic-Konzept Vorarlberg

Der Vorarlberger Schiverband und das Land Vorarlberg beabsichtigen in Zukunft einen Schwerpunkt im Bereich des nordischen Schisports zu setzen. Die konzeptionellen Grundlagen wurden in einer Studie erarbeitet und im Nordic-Konzept Vorarlberg zusammengefasst. Ein zentrales Element dieses Konzepts ist die Errichtung und der Betrieb von Schanzen- und Loipenanlagen im Montafon und im Bregenzerwald.

Im Montafon soll ein nordisches Zentrum mit einer Schanzenanlage in Tschagguns und einer Loipenanlage in Gaschurn entstehen. Die moderne Schisprunganlage besteht aus Schanzen mit einer Hillsize (HS) von 22, 40, 66 sowie einer homologierten Normalschanze mit Hillsize 108. Auf der Schanzenanlage sollen neben dem Trainings- und Übungsbetrieb der Nachwuchsathleten auch internationale Wettbewerbe nach den Regeln des Internationalen Schiverbands (FIS), wie das Europäische Olympische Winter-Jugend-Festival 2015 (EYOF 2015), ausgetragen werden. Dies erfordert künftig ein hohes Engagement des Vorarlberger Schiverbands und der Schivereine im Montafon.

Im Rahmen der EYOF 2015 sollen neben den Sprungbewerben auch die Biathlonbewerbe und die Nordische Kombination im Montafon stattfinden. Mögliche Standorte für eine homologierte Biathlonanlage wurden in Gaschurn und Gortipohl geprüft, sind aber nicht umsetzbar. Eine homologierte Langlaufloipe bis maximal 2,5 km ist in der Nähe der Schanzenanlage notwendig, um Wettbewerbe in der Nordischen Kombination auf internationaler Ebene überhaupt durchführen zu können. Derzeit laufen die Vorbereitungen für eine homologierte Langlaufstrecke im Bereich Rifabecken und Trantrauas.

Das Nordic-Konzept Vorarlberg sieht für die Nachwuchsathleten eine weitere Schanzenanlage im Bregenzerwald vor. Eine Anlage mit drei Schanzen wurde in Bezau geprüft, ist aber nicht umsetzbar. In der Region Bregenzerwald sind die Vereinsstrukturen für den nordischen Sport bereits etabliert. Es fehlt allerdings eine adäquate Trainingseinrichtung für die Nachwuchsarbeit. Ausreichend wäre eine Sprunganlage mit zwei Schanzen von HS-18 und HS-33. Eine solche Schanzenan¬lage ist auch für die Auslastung der Schanzenanlage in Tschagguns zwingend erforderlich.

Sulzberg verfügt bereits über homologierte Loipen und war mehrfach Austragungsort von Langlauf-Wettbewerben. Die Biathlonbewerbe der EYOF 2015 könnten daher alternativ in Sulzberg stattfinden. Mit einem finanziell geringen Aufwand sind mobile Schießstände für die Wettbewerbe einsetzbar. Falls es nicht gelingt, eine Biathlonanlage für die EYOF 2015 mit einem vertretbaren Investment zu realisieren, ist eine Rückgabe der Austragungsrechte für den Biathlonbewerb anzustreben.

Die Investitionskosten für die geplante Umsetzung des Nordic-Konzepts Vorarlberg liegen in einer Größenordnung von mindestens € 13,11 Mio. Der Anteil des Landes beträgt € 6,33 Mio. Diese Kostenplanung enthält noch keine Indexierung und ist noch mit Unsicherheiten über die Kofinanzierung des Bundes behaftet. Da das Finanzierungsrisiko ausschließlich beim Land liegt, wurden die geplanten Investitionen im September nochmals kritisch geprüft. Durch die Adaptierung des Nordic-Konzepts Vorarlberg wurden die Investitionskosten um rund € 3,0 Mio. reduziert.

Das Nachnutzungspotenzial der Schanzen- und Loipenanlagen wird für internationale Veranstaltungen und touristische Zwecke relativ hoch bewertet. Sofern die Loipen internationalen Anforderungen genügen, sind sie für den Breitensport insgesamt zu anspruchsvoll. Unter den nordischen Zentren besteht ein hoher Wettbewerb, der durch neue Anlagen in den letzten Jahren weiter verschärft wurde. In der Konsequenz kann dies dazu führen, dass beträchtliche Investitionen für eine relativ geringe Anzahl an Nachwuchsathleten getätigt werden.

Das Nordic-Konzept Vorarlberg liegt seit Februar 2009 vor. Die finanziellen Auswirkungen für das Land wurden erstmals im Juli 2011 umfassend dargestellt. Vor diesem Zeitpunkt haben die Verantwortlichen für die Umsetzung des Nordic-Konzepts Vorarlberg ihre Funktion nicht ausreichend wahrgenommen. Durch die Übertragung der Austragungsrechte für einzelne Disziplinen der EYOF 2015 entstand ein erhöhter Druck auf die Realisierung einer Schanzen- und Biathlonanlage im Montafon. Das Projektmanagement war für die Komplexität nicht adäquat und mit den erforderlichen Ressourcen ausgestattet. Wichtige Fragen der Umsetzung, wie beispielsweise Standort für die Schanzenanlage im Bregenzerwald oder Realisierung der dualen Ausbildung für die nordischen Athleten, sind noch zu klären.