Prüfungsbericht

Vorarlberger Spitalswesen

Zusammenfassung der Ergebnisse

Die medizinische Versorgung erfolgt in Vorarlberg auf einem hohen Niveau. Mit sechs Krankenhäusern, die gemeinsam über 1.846 Betten verfügen, ist auch die regionale Versorgung überdurchschnittlich gut entwickelt. Durch das breite Angebot können die Patienten jenes Krankenhaus wählen, das aus ihrer Sicht die beste Leistung erbringt. Die Spitalspolitik ist gefordert, einerseits die räumliche Nähe von Versorgungsangeboten so weit dies sinnvoll ist zu gewährleisten und andererseits für eine abgestufte Versorgung mit medizinischen Leistungen Sorge zu tragen. Der hohe Versorgungsstandard wurde in den letzten Jahren noch weiter ausgebaut. Beim medizinischen Leistungsspektrum wurden beispielsweise die Endoprothetik, die Psychosomatik, die Stroke Unit, das Schlaflabor oder das Herzkatheter-Labor erweitert.

Der Ausbau des Versorgungssystems erfolgte auf Basis der Vorgaben des regionalen und des österreichischen Strukturplan Gesundheit 2010. Die Gesamtkosten für die Fondskrankenanstalten erhöhten sich seit dem Jahr 2006 um rund € 47 Mio. auf € 344,7 Mio. Wesentliche Kostentreiber sind eine verbesserte Diagnostik und Therapie, Fortschritte in der Medizintechnik sowie neue Medikamente und Versorgungsstandards. Aufgrund der kontinuierlich steigenden Kosten im Spitalswesen sind die vorhandenen Potenziale zur Optimierung der Strukturqualität und zur Kostendämpfung konsequent zu nutzen. Wichtige Schritte wurden mit der Neupositionierung von Maria Rast, der Verlagerung der Pulmologie ins LKH Hohenems, der Verlagerung der stationären Abteilungen für Chirurgie und Unfallchirurgie vom LKH Hohenems an das LKH Bregenz sowie der Schließung der Gynäkologie und Geburtshilfe am LKH Hohenems erfolgreich gesetzt.

Diese Maßnahmen ermöglichten einerseits eine Qualitätsverbesserung der medizinischen Leistung und führten andererseits zu Einsparungen von jährlich € 3 Mio. und einem Kostendämpfungseffekt von langfristig € 60 Mio. Weitere Schritte zur Optimierung des Versorgungssystems sind möglich, erfordern aber eine Änderung bestehender Struktur- und Finanzierungskriterien. Langfristig sollten die fünf LKH als ein LKH Süd inklusive einer landesweiten Schwerpunktversorgung und ein LKH Nord organisiert sein. Die regionale Versorgung wird durch ein landesweit abgestuftes medizinisches Leistungsspektrum an allen fünf Standorten sichergestellt. Die Verwaltungsagenden der LKH werden weiter gebündelt und in einem Servicecenter abgewickelt. Die Finanzierung durch den Landesgesundheitsfonds bedarf einer Anpassung.

Neben strukturellen Veränderungen sind vorhandene Produktivitätspotenziale im medizinischen und nicht-medizinischen Bereich konsequent zu nutzen. So haben beispielsweise die Fokusgruppen am LKH Bregenz mehrere Themen behandelt und erste Ergebnisse vorgelegt. Für die weitere Umsetzung fehlt jedoch ein detaillierter Maßnahmenplan. Die Nachsorge für internistische Patienten in der Mehrerau ist noch nicht zufriedenstellend gelöst. Es ist Sache der KHBG mit klaren Vorgaben für die Nutzung der Potenziale zu sorgen.

Das innovative Vorarlberger Schlaganfall-Netzwerk gewährleistet eine optimale Akutversorgung der Schlaganfallpatienten mit einer anschließenden abgestuften Rehabilitation. Dieses Netzwerkkonzept kann Vorbildwirkung für die Gestaltung weiterer flächendeckender Versorgungsbereiche haben. Aus organisatorischer Sicht wirkt sich die räumliche Trennung zwischen der Neurologie im LKH Rankweil und der Stroke Unit im LKH Feldkirch nachteilig für den 24-Stunden Betrieb aus.

Das Schlaflabor am LKH Hohenems deckt mit drei Plätzen den Bedarf an stationärer Polysomnographie. Vorgelagerte schlafmedizinische Leistungen wie Anamnese, Diagnostik und Polygraphie könnten weitgehend ambulant durch Haus- und Fachärzte erfolgen. Derzeit fehlt jedoch von Seiten der Sozialversicherungsträger eine Tarifvereinbarung mit den niedergelassenen Ärzten. Um Selbstbehalte der Patienten zu vermeiden, erfolgen polygraphische Leistungen relativ teuer im Schlaflabor. Künftig sind die Leistungen des Schlaflabors auf Polysomnographie zu fokussieren und die drei Betten kostenoptimal auszulasten.

Der hohe Versorgungsstandard erfordert eine entsprechende Besetzung mit Fachärzten. Derzeit sind rund drei Prozent der Facharztstellen in den Landeskrankenhäusern nicht besetzt. Vereinzelt ist dies auf Besetzungsprobleme zurückzuführen. Typische Mangelfächer wie Neurologie oder Kinderpsychiatrie sind auch in Vorarlberg nur schwer zu besetzen. Derzeit besteht kein akuter Facharztmangel. Aufgrund des Altersdurchschnitts der Fachärzte, könnte künftig ein Facharztmangel entstehen. Faktoren wie gestiegene Anforderungen an die Information und Dokumentation, kürzere Verweildauern, aber auch ein Wertewandel führen zu einer steigenden Belastung der Ärzte. Die KHBG ist gefordert, neue Arbeits- und Entlohnungsmodelle zu entwickeln und das Personalmanagement zu verstärken.

Das bundesweit bestehende Finanzierungssystem und die gesetzlichen Regelungen erschweren eine integrierte Planung und gemeinsame Finanzierung für den intra- und extramuralen Bereich. Dies führt zu einer Fehlallokation öffentlicher Mittel. Die Problematik ist allen Beteiligten bekannt, die zersplitterte Finanzierung und die unterschiedlichen Interessen lassen aber nur wenig Spielraum für Veränderungen. Vorarlberg forciert die Modellregion und plant, einzelne Pilotprojekte gemeinsam mit den Finanziers zu realisieren. Unter den gegebenen Rahmenbedingungen besteht eine hohe Abhängigkeit von den Sozialversicherungsträgern und der Ärztekammer. Dies erschwert beispielsweise das Modell einer integrierten Versorgungsstruktur wie ein Gesundheitszentrum am LKH Bludenz in der Praxis umzusetzen.