Prüfungsbericht

Bauprojekt L200-neu / Dornbirn Nord - Schwarzachtobel mit Achraintunnel

Zusammenfassung der Ergebnisse

Das Projekt L200-neu umfasst die Neutrassierung der bestehenden Landesstraße L200 in den Bregenzerwald auf einer Länge von insgesamt 5,5 km. Kernstück des Projekts ist der 3.340 m lange Achraintunnel. Bei der Betrachtung der Kostenentwicklung ist das Baulos Achraintunnel vom Gesamtprojekt L200-neu zu unterscheiden. Während die Kostenschätzung für den Achraintunnel bei rund € 77,5 Mio liegt, betragen die prognostizierten Kosten für das Gesamtprojekt L200-neu rund € 130 Mio.

Die Kostenentwicklung des Projekts L200-neu von der Nutzen-Kosten-Untersuchung 1989 bis zur Prognose für die Fertigstellung im Jahr 2008 ist über weite Strecken nachvollziehbar. Die Kosten könnten sich von ursprünglich geschätzten € 46 Mio im Jahr 1989 auf prognostizierte € 130 Mio im Jahr 2008 erhöhen. Diese Erhöhung ist auf die Preisgleitung von rund € 32 Mio sowie auf die schwierigen geologischen Verhältnisse beim Tunnelausbruch und die gestiegenen Anforderungen bei der Tunnelsicherheit, die sich zusammen auf insgesamt € 15 Mio belaufen, zurückzuführen. Zusätzlich sind Projekterweiterungen und -änderungen im Ausmaß von rund € 37 Mio zu berücksichtigen. Die Einhaltung der geschätzten Kosten für Bau und Grundablöse von € 130 Mio scheint aus heutiger Sicht realistisch.

Für den Bau des Achraintunnels hat die Abteilung Straßenbau (VIIb) im Amt der Landesregierung mögliche Risikoszenarien erstellt und diese einer umfassenden Beurteilung unterzogen. Die Bewertungen der einzelnen Risikofaktoren wurden geprüft und sind plausibel. Die Rohbaukosten des Achraintunnels könnten den zum Zeitpunkt der Vergabe im Jahr 2004 prognostizierten Betrag von € 77,5 Mio eventuell geringfügig überschreiten. Nach wie vor ist aber auch eine Unterschreitung der prognostizierten Kosten nicht ausgeschlossen. Dies hängt zum einen von der Entwicklung der prognostizierten Mengen, zum anderen von der Beurteilung etwaiger Mehrkostenforderungen ab.

Bei der Ausschreibung und Vergabe als auch bei der Vertragsabwicklung durch die Abteilung Straßenbau (VIIb) wurden Schwächen im Bereich des Vertragsmanagements festgestellt. Auch im Bereich des Claimmanagements fehlt ein umfassendes Know-how für die erfolgreiche Abwehr von Zusatzforderungen des Auftragnehmers. Zahlreiche Aspekte des Claim­managements wurden im Zuge der Prüfung analysiert, um Risikopotenziale zu reduzieren.

Bei zukünftigen Großbauprojekten wie dem Achraintunnel sind organisatorische Maßnahmen zu setzen, um die erforderlichen Kompetenzen im Vertragsmanagement sicherzustellen und damit dem verstärkten Claimmanagement der Baufirmen zu begegnen.

Im Jahr 2002 wurden die Bundesstraßen B von der Zuständigkeit des Bundes in jene der Länder übertragen. Durch die Verländerung wurde auch das Risiko von Kostensteigerungen bei der Instandhaltung bestehender und beim Bau neuer Straßen auf die Länder übertragen. Die zum Ausgleich gewährten Zuschüsse des Bundes decken diese Kostensteigerungen nicht ab.

Das Land Vorarlberg erhält vom Bund jährlich knapp € 30 Mio an Zweckzuschussmitteln. Davon werden rund € 20 Mio für die Instandhaltung der Straßen benötigt, die restlichen knapp € 10 Mio stehen für Neubauprojekte zur Verfügung. Da die Instandhaltungskosten kontinuierlich steigen, verringern sich die für Neubauprojekte verfügbaren Mittel. Dies führt zu einem Finanzierungsengpass bei neuen Straßenbauprojekten des Landes. Für die Finanzierung künftiger Projekte müssen daher neue Finanzierungsmöglichkeiten erschlossen werden.